Webstandards
Weitere WAI-ARIA-Verbesserungen
Auf meinen gestrigen Beitrag meldete sich Alexander Farkas mit zwei interessanten Kommentaren und einem alternativen Skriptvorschlag. Ich habe seine Anregung bzgl. der Tastatursteuerung aufgenommen und mein Skript dahingehend ergänzt. Mittlerweile habe ich seinen Skriptvorschlag um ein paar wenige Kommentare und eine kleine Ergänzung erweitert. Ich weiss aber nicht, ob dieses komplexere Skript notwendig ist. Ich bin immer dafür, die Sachen so klein und simpel als möglich zu halten. Deshalb würde mich Feedback von Betroffenen interessieren, ob es denn noch einen Missstand in der WAi-ARIA-Implementierung gibt, die mit Alexanders Skript ausgemerzt werden muss oder ob ich bei meiner simpleren Variante bleiben kann.
Ich finde das Thema spannend und wichtig, kann aber mangels Betroffenheit nicht mitreden.
Anreicherung meiner Webseite mit WAI-ARIA
Als ich meine Webseite und mein Blog einem Relaunch unterzog war mir klar, daß das Endergebnis nicht in Stein gemeißelt war. Es sollte es auch nicht sein. Natürlich kann man oft an einer Webseite Verbesserungen und Veränderungen vornehmen. Als eine der Verbesserungen plante ich von Anfang an die Einführung von WAI-ARIA ein. Mit diesem gar nicht mehr so neuen Webstandard kann man Screenreadern Feedback u.a. bei dynamischen Elementen der Webseite geben. Da ich hin und wieder Elemente zusammengeklappt lade und diese aufklappbar sind, war es in meinen Augen notwendig, Screenreadern einen Hinweis darauf zu geben.
Marco Zehe hat in seinem Blog freundlicherweise beschrieben, welche Elemente welche Attribute bekommen müssen. Diese Technik ist nur sinnvoll und notwendig beim Einsatz von Javascript. Ich möchte im Folgenden beschreiben, welche Änderungen ich vorgenommen habe, um das Ziel zu erreichen.
Die Klapplisten haben drei zu beachtende Aspekte:
- Die Listencontainer sollen zusammengeklappt sein, wenn die Seite läd. Dies soll aber nur dann passieren, wenn Javascript aktiv ist, denn schließlich benötige ich Javascript zum Öffnen der Container.
- Die Container sollen separat auf- und zuklappbar sein. Es soll keine gegenseitige Abhängigkeit herrschen.
- Das Auf- und Zuklappen der Listen soll sich dem Screenreader mitteilen.
Es versteht sich von selbst, daß der Code einfach, semantisch und logisch sein soll.
Wenn die Seite läd, lasse ich mittels Javascript eine Klasse js an das HTML-Element hängen:
<script type="text/javascript"> document.documentElement.className += "js"; </script>Danach sorge ich mittels CSS dafür, daß die betreffenden Listen ausgeblendet sind. Durch die Kaskade über die Klasse js sorge ich dafür, daß die Listen nur im Falle der Existenz von Javascript ausgeblendet werden. Denn nur dann haben sie eine Chance, wieder eingeblendet zu werden.
<style type="text/css" media="screen"> .js .toggle > ul { display: none;} </style>Die Container mit den Listen sind wie gewünscht einfach und logisch aufgebaut, was angesichts des einfach strukturierten Inhalts auch kein Wunder ist. Ein DIV-Container umfaßt eine Überschrift und eine Liste. Der Container wird benötigt, um den Kontext für das Javascript zu schaffen und für den Rahmen, der den Inhalt optisch zusammenhält. Die Überschrift ist zusätzlich noch der Auslöser für die Klappfunktion. Der eigentliche Inhalt wird in einer Liste transportiert. Das ist allerdings kein Muss.
Ich nutze jQuery für die Klappfunktion. In seiner ursprünglichen Form – ohne die WAI-ARIA-Erweiterungen – sah das Skript folgendermaßen aus:
$('.toggle h3').click(function(){ $(this).siblings('ul').slideToggle(); $(this).toggleClass('zuklappen'); })Der Code sollte einfach zu verstehen sein. Bei jedem Klick auf eine Überschrift, die sich unter einem Element mit der Klasse toggle befindet, wird das direkt folgende Geschwisterelement, das eine ungeordnete Liste sein muss, auf- oder zugeklappt, je nachdem, in welchem Status es sich befindet. Zusätzlich wird an der Überschrift die Klasse zuklappen hinzugefügt oder entfernt. Die toggle-Funktionen bei jQuery sind einfach und elegant benutzbar. Wegen der WAI-ARIA-Erweiterung mußte ich den Code ein wenig umschreiben und erweitern. Herausgekommen ist folgender Code:
$('.toggle h3').each(function() { var thingy = $(this); var sibid = thingy.next().attr('id'); thingy.attr({ 'aria-expanded': 'false', 'aria-controls': sibid }) thingy.click(function() { $(this).siblings().slideToggle('fast', function(){ if(!(thingy.attr('aria-expanded') == 'true')) { thingy.attr('aria-expanded', 'true'); } else { thingy.attr('aria-expanded', 'false'); } }); }); });Die oben genutzte kurze Version reichte nicht mehr, da sie nur auf Klick Dinge tut. Mittels jQuery sollten aber auch unabhängig von der konkreten Aktion Attribute zu speziellen Elementen hinzugefügt werden. Also gehe ich erst mit der Funktion each() alle Überschriften in den Klappboxen durch. Bei diesem Durchgang werden den Überschriften zwei Attribute mit passenden Parametern hinzugefügt. Ein Parameter ist der Inhalt der ID der folgenden Liste. Diese ID wird in einer Variable gespeichert und dann zugewiesen. Bei Klick auf eine Überschrift prüfe und ändere ich dann den Inhalt des Attributes aria-expanded.
Die so gefundene Lösung ist zwar eindeutig komplexer, als die ursprüngliche Lösung. Sie ist aber noch immer kein Hexenwerk. Mit ein bischen mehr Mühe habe ich so eine weitere kleine Barriere meiner Webseite entfernt. Sicherlich werde ich noch ein paar weitere kleine Details finden, die ich u.a. mit WAI-ARIA verbessern kann. Ich denke, daß diese Lösung auch bei Deinem nächsten Projekt nützlich sein kann.
Aufpassen bei @font-face
Immer wieder taucht ein Problemfall bei der Umsetzung von Webseiten auf: die Einbindung einer individuellen Schrift, die nicht über Betriebssysteme und Officeprogramme überall verteilt ist. Seit Kurzem ist die Einbettung mittels CSS über @font-face sehr beliebt. Bei der Erstellung meines neuen Designs habe auch ich mich dieser Technik bedient. Doch leider ist sie nicht ohne Tücken.
Kurz nach meinem Relaunch bekam ich mit, daß die Schrifteinbettung sehr oft nicht funktionierte. In den letzten Wochen kam ich selten dazu, an meine Webseite zu denken, geschweige denn sie weiterzuentwickeln und kleinere Bugs auszumerzen. Heute widmete ich mich des Schriftenbugs. Seltsamerweise stellten IE6 und IE7 die seite wie gewünscht dar, IE8 und Firefox 3.5 hingegen nicht. Ich bin zwar hinter das Problem gekommen, doch leider öffnete sich ein neues.
Ich nutze für die Erstellung des Layouts das Framework YAML meines Freundes Dirk Jesse. Die Inhalte der CSS-Dateien werden bei YAML oft in media-Regeln gepackt. Offenbar haben die oben genannten Browser ein Problem damit, eine “@-Regel” in eine weitere “@-Regel” zu packen. Also habe ich die Schriftenregeln an den Anfang des Stylesheets gepackt und alles war wieder gut. Es sind oft die kleinen Dinge, über die wir stolpern.
Doch leider freute ich mich zu früh. Denn die genannten Änderungen führten zwar auf meiner lokalen Testumgebung zum Erfolg, auf dem Livesystem versagten aber nun alle Browser. Auch eine Auslagerung der Schriftregeln in eine separate Datei und die anschließende Löschung aller Kommentare brachte nichts. Ich habe die Schriften ein wenig geändert und muss leider akzeptieren, daß derzeit kein Browser meine gewünschte Schrift anzeigen will. Wenn ich wieder Zeit habe, werde ich mich des Problems wieder annehmen. Derzeit geht es nicht. Das ist bedauerlich, aber der Inhalt der Seite wird durch die andere Schrift schließlich nicht verfälscht. Und nur darauf kommt es an.
Ergänzung: Ich habe schon seit einigen Wochen immer wieder Probleme mit meinem Webspace. Ich kann derzeit nicht ausschließen, daß es irgendeine Kleinigkeit bei meinem Provider ist, die diese seltsamen Probleme hervorruft.
Ergänzung 2: Ich habe das Problem gelöst, bin aber sehr unzufrieden mit dem Ergebnis. Siehe meinen Kommentar weiter unten.
Dienstleister für SVN und Bugtracking
Jahrelang habe ich beruflich kein Versionierungssystem genutzt. Unsere Versionierungen bestanden aus kopierten oder gezippten Ordnern, mit Datum versehen. Will man aber professionell und vor allem im Team arbeiten, sollte man sich mit einem Versionierungssystem auseinandersetzen. Es ist beruhigend, immer wieder Codeänderungen zu übertragen (committen) und im Nachhinein Änderungen verfolgen zu können.
Die Einrichtung eines SVN-Servers scheint nach allem, was ich so gelesen habe, keine Kleinigkeit zu sein und auch nicht für jede Art Webserver-Paket. Selbst die Installation des Bugtrackers Mantis wollte bei mir nicht klappen. Da ich mittlerweile keine Lust mehr habe, über Gebühr Zeit und Energie in die Erledigung fachfremder Tätigkeiten zu stecken, habe ich ein wenig nach Dienstleistern im Bereich Versionierung recherchiert.
Während der Entwicklung meiner neuen Webseite habe ich alle Codeänderungen auf meinen kostenlosen Springloops-Account committet. Dieser Account ermöglicht mir die Verwaltung von drei Projekten. Für neun Dollar im Monat könnte ich auf zehn Projekte aufstocken. Der Preis ist übersichtlich und fair. Allerdings gibt es kein Ticketsystem. Das mag man nicht immer brauchen, aber hin und wieder kann es ganz nützlich sein. Da eine Installation eines eigenen Systems scheiterte, suchte ich nach einer gehosteten Lösung. Nach einer recht intensiven Suche habe ich folgende Möglichkeiten identifiziert:
-
xp-dev.com
Hier bekomme ich neben Subervsion auch noch Git geboten, ebenso Trac. Für 1 GB Storage und unlimitierte User und Projekte zahlt man 48 Dollar Jahresbetrag oder 5 Dollar monatlich. 48 Dollar sind gute 35 Doppelmark Euro. Dieses Angebot finde ich sehr interessant.
-
SourceRepo
Auch hier werden mit Subversion und Git geboten, zusätzlich sogar Mercurial. Neben Trac werden auch Redmine-Projekte geboten. Das macht das Angebot für 6,95 Dollar interessant. Aber brauche ich eine Projektverwaltung wie Redmine?
-
freepository
Dieses Angebot ist zwar mit 39 Dollar günstig, bietet aber eine Nutzerbeschränkung bis 25 Nutzer. Das muss nicht schlecht sein, aber die anderen beiden Angebote machen mir erst gar keine Kopfschmerzen in dieser Hinsicht. Dafür hätte ich 3GB Plattenplatz. Leider ist die gesamte Webseite spärlich und schwer zu lesen. Ein Ticketsystem wird zwar angeboten, weitere Infos gibt es aber nicht. So weiß ich nicht, ob es sich um ein selbstgebautes handelt oder um Trac, Mantis oder gar Bugzilla.
-
ProjectLocker
Dieses Angebot finde ich nur als kostenloses Angebot interessant. Ich finde es bedauerlich, daß zuviele Anbieter die Zahl der möglichen Nutzer einschränken. Selbst bei Bazahldiensten werden sie teilweise eingeschränkt. Bei Projectlocker bietet erst der teuerste Plan mit 30 Dollar im Monat mit 30 Nutzern eine Nutzerzahl, die erste Kopfschmerzen beseitigt. Der kostenlose Dienst hingegen ist sehr interessant. Selbst interessanter, als der von Springloops.
Vielleicht kommen ja noch in den Kommentaren interessante Alternativen. Derzeit schwanke ich zwischen SoureceRepo (wegen der Redmine-Projekte) und XP-Dev (wegen des sehr guetn Preis-Leistungs-Verhältnisses).
Was sind Eure Erfahrungen mit SVN-Dienstleistern (oder Git)?
Ein besonderer Webmontag
Am 1. März war mal wieder Webmontag in Frankfurt. Doch diesmal war es anders als sonst, denn wir waren Teil der “Global Ignite”-Woche des O’Reilly-Verlags. Die Idee ist, mit Kurzvorträgen das Publikum zu unterhalten. Die Vorträge sollen fünf Minuten lang sein, die Folien sollen automatisch weiter gehen. Das setzt hohe Ansprüche an den Redner.
Insgesamt gab es dreizehn Vorträge. Alle hatten ein gewisses Etwas und waren sicherlich selten so speziell, daß ein Großteil der Zuhörer ausgeschlossen wurde. Das kann man ja nicht immer von Webmontags-Vorträgen sagen. Die Bandbreite war enorm. Es gab sogar einen Vortrag, der gänzlich ohne Folien auskam. Das war angenehm und es fehlte nichts. Denn ob man zum Thema Coworking nun tolle Bilder der Räumlichkeiten sieht oder nicht, ist relativ egal.
Alle Vorträge wurden aufgezeichnet und sollen mit den Vorträgen der vielen anderen Ignites dieser Woche im Netz erreichbar sein. Deshalb fühlten sich die ersten Vortragenden bemüßigt, auf Englisch vorzutragen. Dadurch ging der Sprachwitz flöten und auch die Sicherheit der Vortragenden litt stellenweise, weil sie nach einem Wort oder einer Phrase kramen mussten.
Die Vorträge waren in zwei Blöcke geteilt, sodaß wir für uns untypisch eine Pause hatten. Im Nachinein war dies ein Glücksfall. Denn leider lief die Veranstaltung zeitlich zu sehr aus dem Ruder.
Die Idee von O’Reilly ist klasse und ich hoffe, wir wiederholen dieses Format. Allerdings erhoffe ich mir für das nächste Mal mehr Disziplin auf Seiten der Vortragenden wie der Organisatoren. Der Plan ist ja simpel und schön: 13 Vorträge à 5 Minuten sind 65 Minuten. Dazu ein paar Fragen und kurze Übergangszeit sollte die gesamte Veranstaltung noch weit unter zwei Stunden halten. In einem solche Falle wäre eine Pause unnötig.
Leider ist das nur die Theorie. Die Veranstaltung begann erst eine knappe halbe Stunde später als geplant und ging dann mit Pause knappe drei Stunden. Es war nicht klar, ob sich die einzelnen Vortragenden tatsächlich an die fünf-Minuten-Regel gehalten hatten. Bei einigen wenigen hatte ich den Eindruck, daß dem nicht so war.
Leider waren nicht alle Vorträge gesammelt auf einem Rechner, sodaß wir Umbaupausen hatten. Eine Präsentation konnte unerklärlicherweise nicht geöffnet werden. Und die meisten Vortragenden hatten kein automatisches Weiterblättern eingestellt, sondern blätterten manuell weiter. Das ist nicht im Sinne des Erfinders. Die Ignite-Vorträge sind für Zuschauer wie für Vortragende eine Herausforderung. Die Zuschauer müssen sich alle paar Minuten auf ein neues Thema einstellen und müssen versuchen, den Inhalt schnell zu erfassen. Die Vortragenden müssen sich endlich mal richtig kurz fassen und sich vor allem einem strikten Zeitdiktat beugen. Schade, daß die meisten dies nicht taten.
Bei der nächsten Ignite sollten alle Vorträge auf einem Rechner gesammelt vorliegen und “Auto-Forwarding” sollte eingestellt sein. Dann bekommen wir auch alle Redner in einer erträglichen Zeit durch. Ich bin sehr gerne bei Webmontagen, weil ich oft in kurzen Häppchen neue Gedanken und Informationen präsentiert bekommen. Ich gehe aber auch dorthin, um nachher alte Bekannte zu treffen und eventuell neue Bekanntschaften zu machen. Das “Socializing” ist durchaus ein wichtiger Teil des Webmontags. Als dieser gegen 23 Uhr endete strömten allerdings leider alle nachhause. Es war ihnen nicht zu verdenken. Doch mir fehlte leider ein Teil des Spasses. Aber ich denke, mit ein wenig mehr Disziplin und vor allem Vorbereitung kann man das in den Griff bekommen. Die Premiere ist nicht gescheitert, sie zeigte aber Verbesserungspotential auf.
Fotos des Webmontags findet ihr bei Sandra Kallmeyer und bei Patrick Lenz. Ich freue mich auf den nächsten Webmontag-Ignite.
Mea culpa – YQL
Nachmittags warf meine Startseite auf einmal Fehlermeldungen, weil das PHP-Skript keinen YQL-Stream zur Bearbeitung bekam. Diesen Fehler habe ich in den letzten Wochen immer wieder beobachten müssen. Er dauerte immer nur wenige Minuten. Diesmal tat ich etwas gegen die Fehlermeldungen. Ich packte die Ausgabeprogrammierung in eine Abfrage, ob Daten vorlagen. Die Fehlerausgabe war unterdrückt, ich zufrieden. Doch auch nach Stunden waren die Informationen via YQL nicht da. Wie bei den vorherigen Fehlern gab die YQL-Konsole Informationen zurück. Diese Diskrepanz kannte ich. Sie verwunderte mich nicht mehr.
Doch der Fehler lag diesmal nicht bei YQL, sondern in meiner Fehlerbehandlung. Vielen Dank an Dirk Ginader, für das Debugging. Sorry, liebes YQL-Team, für die erste Aufregung. Die zeitweise Fehlfunktion in der Vergangenheit hatte mich unkritisch gemacht. Ich werde mich wohl in der nahen Zukunft damit auseinandersetzen, wie ich die Seiten cachen kann, um eventuelle Ausfälle bei YQL auszugleichen.
Probleme mit YQL
Einer der wichtigen Eckpfeiler meines Relaunches ist die Nutzung der Yahoo-Meta-API “YQL“. Mit YQL kann ich Informationen von anderen Webseiten abrufen und zur Weiterverarbeitung bereitstellen. Meine delicious-Links werden genauso über YQL abgerufen, wie meine Tweets und die Titel meinet Slideshare-Präsentationen. Und für die Seiten, die keine eigene API zur Verfügung stellen, kann man bspw. auf einen RSS-Feed zugreifen. So kommen die letzten drei Artikel in Auszügen auf meine Startseite.
Ich habe Chris Heilmann in vielen Vorträgen von den unzweifelhaften Vorzügen von YQL erzählen hören. Seine eigene Seite ist ein Zeugnis für die Funktionsfähigkeit dieses Systems. Ja, die gesamte Yahoo-Website funktioniert damit, wenn ich es richtig verstanden habe.
Seit meinen ersten Schritten mit meinem neuen Layout traten allerdings immer wieder Probleme mit YQL auf. Heute scheinen die Problem extrem zu kulminieren. Mittlerweile bekommt meine Website seit über sechs Stunden keine Informationen mehr von Yahoo. YQL ist für Grochtdreis.de leider tot. Ich habe deshalb einen Hinweistext implementiert, der auf dieses Problem hinweist. Eine gute Lösung ist das nicht, aber derzeit für mich alternativlos.
Dieses Problem addiert sich für mich zu den Performanceproblemen meines Providers. Seit Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mehrfach minutenlang mein Server ausfällt. Diese Ausfälle sind wie die Ausfälle von YQL leider ausserhalb meines Einflussbereichs. Ich kann nur hoffen, daß beides sich demnächst bessert. Den Provider kann ich wechseln, ohne Garantie auf bessere Performance. Aber auf YQL möchte ich ungerne verzichten. Das System ist einfach praktisch.
Das Problem tritt auf, ohne Feedback für den Nutzer Der Nutzer bekommt nun Feedback über den FehlerIch bin gespannt, ob ich irgendwann den wahren Grund der YQL-Probleme erfahren werde. Meine Implementierung kann nicht fehlerhaft sein, weil die Site grundsätzlich funktionierte.
Mich macht die Fehlfunktion sehr nachdenklich, denn ein System wie YQL finde ich wichtig und zukunftsweisend. Wir verbreiten unsere Informationen überall im Web. Profis wie ich sind in vielen Ecken des Web aktiv, hinterlassen überall Spuren. Es ist deshalb interessant, diese Spuren teilweise einzusammeln. Zudem gibt es spezialisierte Dienste, deren Spezialisierung uns das digitale Leben erst spannend und einfach macht. Bei Slideshare muss ich meine Vorträge nur hochladen und sie werden in ein handliches Format konvertiert, das jedermann auf seiner Webseite einbinden kann. Delicious bietet mir nicht nur die Datenhaltung meiner vielen Bookmarks, es ermöglicht mir auch die Vernetzung mit anderen Nutzern. Ich profitiere davon und kann die Links aus meinem Account via YQL sehr einfach in meine Webseite einbinden.
Es wäre schade, wenn wir in Zukunft nicht mehr so einfach die Informationen unterschiedlicher Dienste mischen und neue Informationsangebote damit schaffen könnten. Chris Heilmann zeigt immer wieder, welche tollen Applikationen man mit YQL bauen kann. Das sollte so bleiben. Ich hoffe, es handelte sich um einen kurzen, aber ärgerlichen Schluckauf.
Über den Relaunch
Seitdem ich mich Ende 2009 selbständig gemacht habe, wurde es Zeit, meine Präsenz im Internet zu überarbeiten. Ich habe mir dafür professionelle Hilfe ins Boot geholt, für die ich mich sehr bedanke. Manuela Hoffmann entwarf das Design, das Logo und meine Visitenkarten. Nicolai Schwarz war mir bei der Entwicklung guter Texte behilflich. Das Foto auf der Startseite stammt von Patrick Lenz.
Im Laufe der Zeit werde ich sicherlich noch ein paar Verbesserungen und Optimierungen vornehmen. WAI-ARIA fällt mir als Optimierung noch ein. Aber da ich eine Webseite nicht als ein statisches Gebilde verstehe, das ab seiner Veröffentlichung in Stein gemeißelt ist, nehme ich mir die Freiheit, die Optimierungen in der Zukunft vorzunehmen.
Das Layout ist nicht in Stein gemeißelt. Kommen mir neue Ideen, gefallen mir bestehende Details nicht, wird das Layout angepaßt. Genauso flexibel gehe ich bei der Unterstützung der Browser vor. Es ist nicht die Frage, ob man die Seite in einem IE anschauen kann, sondern wie. Die Basis des Ganzen bildet das CSS-Framework YAML. Es ist robust und ausgefuchst genug, um selbst in antike IE-Regionen vorzustoßen. Doch all die Details, die ein IE nicht anzeigen kann, weil selbst der aktuelle Microsoft-Browser noch immer nicht auf der Höhe der Zeit ist, wird ihm auch nicht mit einer Hilfskonstruktion beigebracht. Die allseits beliebten runden Ecken, gegen die ich früher immer lästerte und die jetzt ein Teil meines Designs sind, wurden mit CSS3 realisiert. Der IE zeigt die Ecken eckig an. Das sieht nicht so schön aus, tut dem Inhalt aber keinen Abbruch. Einzige Ausnahme ist ein kleines Javascript, das auch den IE6 in die Lage versetzt, eine Mindest- und eine Maximalbreite zu verstehen.
Die Inhalte der Startseite werden zum Großteil mittels YQL gesammelt. Sehr hilfreich war dafür ein Artikel von Chris Heilmann im Adventskalender 2009 der Webkrauts. Bei der Bearbeitung des PHP-Codes half mir netterweise David Maciejewski auf die Sprünge.
Ein Blick in die ursprünglichen LayoutsBei einem erneuten Blick bin ich überrascht, wie weit das Endprodukt sich von den ursprünglichen Layouts entfernt hat. Wichtige Grundzüge sind aber erhalten. Das Logo entstand in einer zweiten oder dritten Schleife und hat mich sofort gepackt.
Kommentar?
Ich bin auf Eure Kommentare und Anregungen gespannt.
Alles neu!
Es hat lange gedauert, aber endlich habe ich es geschafft: mein Weblog hat ein neues Aussehen. Zusätzlich ist meine gesamte Internetpräsenz und neuen Inhalten versehen. Nur mein Kochblog, das in den letzten Jahren ein extremes Schattendasein gefristet hat, existiert noch nicht in einem neuen Outfit.
Sechzehnter Webmontag in Frankfurt
Am 18. Januar war wieder Webmontag in Frankfurt. Es war der sechzehnte und nicht nur meiner Erinnerung nach der am besten besuchte. Es waren mehr Stühle als sonst in der Brotfabrik gestellt und trotzdem mußten einige Teilnehmer stehen. DIe Schätzungen belaufen sich zwischen 130 und 150 Zuhörern, eine echte Leistung.
DIe Vortragsthemen waren inhaltlich breit gestreut. Sie reichten von User Experience über historische Betrachtungen zum Webdesign über Tips zum Einführen von Wikis zu CSS3-Experimenten und Tips zur Erstellung von RIAs mit Flash. Mich hat diese thematisch breite Aufstellung sehr gefreut. Wir hatten schon Zeiten, in denen der Webmontag extrem technisch war. Zudem hatten damals viele Vortragenden die 15minütige Beschränkung ihrer Vorträge nicht richtig begriffen und verloren sich in Details, die kaum jemand nachvollziehen konnte. Dieses Problem hat sich glücklicherweise seit einiger Zeit gegeben.
In den 15 Minuten des Vortrags – in Hannover gewährt man gar nur acht bis zehn – kann man selten tiefe Gedanken anstellen, zu komplex sind die Themen. Aber man kann Denkanstösse und Einblicke in vielleicht unbekannte Arbeitsbereiche geben. Ich finde gerade die mir fremden Themen spannend. Die Vorträge dieses sehr interessanten Abends gibt es auf Vimeo zum Anschauen. Interessante Betrachtungen des Abends geben Nicole Männl, Thomas Klose und Johannes Schwichtenberg, der vor allem auch alle Vorträge kurz zusammenfaßt. Einen Eindruck von der Veranstaltung gibt auch der Twitter-Hashtag #wmfra.
Ich freue mich auf den nächsten Webmontag, der am 1. März wieder in der Brotfabrik stattfinden wird. Wir werden dann eine Neuerung haben, indem wir bei O’Reillys Aktion Ignite mitmachen werden. Dabei sollen die Vorträge nur 5 Minuten kurz sein und aus 20 Slides bestehen, die alle 15 Sekunden automatisch weiterblenden. Ich bin sehr gespannt, wer da mitmacht und welche Themen wir bekommen.
Zu ruhig
Ich erschrecke wenn ich daran denke, daß mein letzter Beitrag in diesem Blog von Anfang Dezember 2009 herrührt. Ich war in den letzten Wochen einfach zu intensiv beschäftigt. Zwischen den Jahren mit Ausspannen und sonst mit meiner Selbständigkeit. Ich habe an meiner Webseite gearbeitet, mich um Visitenkarten gekümmert und um viele Kleinig- und Großigkeiten. Zudem habe ich ein Kapitel über Usabilty für einen Sammelband geschrieben.
Ich habe aber auch gemerkt, daß Twitter einen Großteil meiner Schreibenergie frißt. Das ist schade. Auch mein Posterous-Blog ist nach anfänglicher Begeisterung über das leichte Füllen per E-Mail nicht mehr gewachsen.
Ich will hoffen, in der Zukunft mehr zum Bloggen zu kommen und endlich die vielen Themen abzuarbeiten, die mir im Hinterkopf herumschwirren. Da liegt noch eine Testseite zu Formularlegenden, die endlich veröffentlicht werden will. Aber sicherlich erst nach dem Relaunch, den ich hoffentlich noch bis Ende Januar auf die Reihe bekommen werde.
Eine neue Herausforderung: Selbständigkeit
Seit Anfang 1999 arbeite ich im und für das Internet. Zehn Jahre Arbeit in Agenturen haben viel Spaß gemacht, waren auch stressig, haben mich viel gelehrt. Es ist Zeit, meine Erfahrungen weiter zu streuen, als ich dies als Angestellter einer Firma tun könnte. Der November war der letzte Monat bei SinnerSchrader. Ich habe dieser Firma, meinen Kollegen und Chefs dort viel zu verdanken.
Nun bin ich selbständig tätig! Ich biete meine Kenntnisse als Frontend-Entwickler sowohl Endkunden als auch Agenturen an. Ich biete meine langjährigen Erfahrungen in großen Projekten an, um Projekte erfolgreich zu planen und zu steuern. Ich biete meine Erfahrungen bei der Konzeption und Plaung von Webseiten an. Denn meiner Meinung nach scheitert die Qualität der meisten Webseiten an der Kommunikation aller beteiligter “Gewerke”. Es ist sinnvoll, wenn Konzepter und Grafiker frühzeitig die Konsequenz ihrer Pläne und Ideen erfahren, als daß die vom Kunden abgenommenen Vorschläge dann hingebogen oder nachgebessert werden müssen. Mit meiner Erfahrung und meinem breiten Wissen im Bereich Frontendentwicklung kann ich in diesem Punkt sicherlich viel Hilfe leisten.
Ich möchte aber auch in Zukunft vermehrt Schulungen geben. Diese sollen Entwickler auf ein höheres Niveau im Bereich Frontend heben. Ich möchte aber auch Kunden in die Lage versetzen, unser Medium besser zu verstehen. Sie sollen dann auch die Arbeit der Agenturen besser beurteilen können.
In den nächsten Wochen werde ich nicht nur die Schulungen detailliert planen, ich werde mich auch endlich an die Überarbeitung meiner Webseiten machen. Dieses Blog dümpelt schon viel zu lange mit einem Standard-Layout herum, das ich nie wirklich verbessert habe. Aber wer dafür sorgen möchte, daß ich vor lauter Arbeit nicht zur Optimierung meiner eigenen Präsenz komme, der möge mich kontaktieren.
Adventskalender laden zum Schmökern ein
Auch dieses Jahr gibt es wieder ein paar Webseiten, die sich mit täglichen Artikeln vor der Weihnachtszeit hervortun. Adventskalender sind glücklicherweise sehr in Mode gekommen.
Die Webkrauts veröffentlichen auch dieses Jahr wieder einen Adventskalender, der sich thematisch “Tipps & Tricks” annimmt. Das erste Türchen erklärt ein “Faltblatt für Internet-Ausdrucker“.
Die Kollegen von 24ways starten mit einem Artikel über RGBa von Drew McLellan. Neu sind hingegen die beiden Wordpress-zentrierten Adventskalender von Frank Bültge und WPEngineer. Ich bin gespannt, welche Tips ich von diesen Kalendern bekommen werde. Kennen meine Leser noch weitere empfehlenswerte Kalender?
Rückblick auf das Barcamp Mainz
Am Wochenende war ich auf dem Barcamp Mainz, zusammen mit etwa 250 anderen “Internetspezialisten”. Wenn ich richtig gezählt habe, war es mein neuntes Barcamp. Jedes hatte seinen eigenen Charakter, aber dieses Barcamp hatte eigene Akzente, die mir erst mit ein wenig Abstand klargeworden sind und die mir Hoffnung auf eine spannende Zukunft machen.
Das Barcamp war super organisiert, es gab keine größeren Pannen, die Helfer und Organisatoren waren nicht nur zahlreich, sondern auch immer sehr freundlich, schnell und hilfsbereit. Schon in Stuttgart merkte man die ordnende Hand der Organisatoren, in Mainz war sie phasenweise sehr stark zu spüren. Das irritierte einige Teilnehmer, vor allem alte Barcamp Hasen und -Häsinnen. So wurden die Sessions zwar einzeln vorgestellt, die Terminierung übernahm allerdings der “Session-Master”. Er sorgte so dafür, daß eine inhaltliche Überlappung bestmöglich vermieden wurde.
Ich fand diese Ordnung gut. Ich fand es auch gut, daß wir “nur” fünf Räume zur Verfügung hatten. Der Eindruck, etwas Wichtiges verpaßt zu haben, steigt exponentiell mit der Anzahl der Räume.
Der schwächste Aspekt des Barcamps war das Mittagessen. Am Samstag wurden wir in der Mensa “verköstigt”. Ich durfte fetststellen, daß das Essen dort noch immer so mies schmeckt, wie zu meinen Studienzeiten. Ich habe 1994 meinen Magister gemacht und ich finde in diesem Falle Kontinuität keine Tugend. Die Suppe von der Suppen-Marie am Sonntag war hingegen um Welten besser.
Es war aber nur das Mittagessen schwach. Frühstück und Kuchen waren klasse, Kaffee existierte ständig und in ausreichenden Mengen, ebenso andere Getränke. Herz, was willst Du mehr?
Die Themen der Sessions waren durchweg interessant, oft direkt auf Diskussion angelegt und boten keine der nervigen Klassiker. Es gab keine SEO-Session, keine über “Wie installiere ich Wordpress MU” oder “Wie monetarisiere ich mein Blog”. Das Barcamp als Veranstaltung scheint erwachsener zu werden. In vielen Sessions wurde auch in die Zukunft geschaut, wurde Anleitung zum Experimentieren gegeben. Und ich hatte den Eindruck, daß die Teilnehmer diskussionsfreudiger waren, als auf vielen anderen Barcamps.
Dank des Instituts für Informatik konnten wir in Räumen der Uni Mainz zwei interessante Tage verbringen. Diese Tage waren aber auch für den Dekan der Informatik sehr interessant. Er zeigte sich in der Abschlussveranstaltung zutiefst beeindruckt von dieser Veranstaltungsform und vom Niveau der Sessions. Ihm ging es wie mir vor meinem ersten Barcamp. Als ich vom ersten Barcamp in Berlin hörte dachte ich mir, das könne ja nichts werden. Das werde in Chaos enden und inhaltlich käme bestimmt nichts rüber. Nach den begeisterten Reaktionen war ich auf dem ersten Kölner Barcamp, immernoch in vorsichtiger Erwartung, und seitdem hat mich der Virus nicht losgelassen.
Prof. Göttler scheint eine ähnliche Entwicklung durchgemacht zu haben. Er möchte die Grundidee des Barcamps in den Veranstaltungen seines Instituts umsetzen, die Studenten also mehr an der inhaltlichen Gestaltung beteiligen. Und er rief alle Teilnehmer auf, sich mit Lehrveranstaltungen an der Uni zu engagieren. Ich für meinen Teil strebe ein solches Engagement an. Ich bin gespannt.
Der Kontakt zur Uni war nicht der einzige Kontakt zur Realität, der mich beeindruckt hat. Angetrieben durch den immer umtriebigen Initiator Darren Cooper engagierte sich das Mainzer Barcamp und vor allem die Zwei-Personen-Agentur “Scribble2Screen” sowie mein alter Arbeitgeber netz98 bei einer sozialen Initiative. Die Mainzer Kinderkunst feierte fünfjähriges Bestehen und bekommt nun von Scribble2Screen demnächst eine schönere und bessere Webseite, die von den Kindern selber gepflegt werden kann und auf der die wirklich tollen Kunstwerke gut zur Geltung kommen werden.
Darren nutzte die Gelegenheit und präsentierte das Barcamp und die darauf versammelten “Internetspezialisten” sehr sympathisch, auch gegenüber dem als Schirmherr anwesenden Bundeswirtschaftsminister Brüderle. Er machte klar, daß wir keine abgeschottete Community sind und verknüpfte unser Wissen mit sozialem Engagement. Mir ist erst im Laufe der Veranstaltung und dann beim späteren Nachdenken klar geworden, wie wichtig und richtig Darrens Engagement und Vision ist, die er mit diesem Barcamp verfolgte. Das Mainzer Barcamp soll der Kern einer besser vernetzten Internetcommunity Rhein-Main sein. Und diese Community soll sich besser und intensiver in der Öffnetlichkeit präsentieren. Denn bisher schmorten wir mehr im eigenen Saft. Wir wissen aber doch, daß wir alle intensiv Werbung für dieses toille Medium Internet machen müssen, daß wir Hemmschwellen und Verständnislücken abbauen müssen. Wir haben aber in der Vergangenheit wenig bis gar nichts dafür getan. Barcamps sind immer Szenetreffs gewesen, auf denen man Wissen untereinander ausgetauscht hat. Das ist auch klasse so. Darren hat eine neue Dimension hinzugefügt, den Austausch mit der “Umgebung”.
Das ist wichtig, das ist klasse und es ist für mich der Kerncharakter dieses Barcamps. Ich bin stolz auf die Organisatoren, daß sie ein richtig gutes Medienecho hinbekommen haben. Wir hatten nicht nur eine sehr interessante Diskussion mit zwei Mitarbeitern der Allgemeinen Zeitung Mainz, diese Zeitung berichtete schon am Samstag mit einem langen Text und einem kleinen Video vom Barcamp. Und in den Rheinland-Pfalz-Nachrichten vom SWR sind wir ab Minute 5:20 zu sehen. Ich bin dank meiner Körperfülle und roten Poloshirt gut zu erkennen
Es ist eine sehr gute Idee, aus der Selbstbetrachtung heraus zu gehen und den Dialog mit den direkten Betroffenen eines neuen Mediums und neuer Technologien zu suchen. Wir müssen die Ängste, Wünsche, Verständnisprobleme der Nutzer kennenlernen, ihnen begegnen, sie aufklären. Wir müssen für unsere eigenen wirtschaftlichen Bedürfnisse kämpfen und die Basis für die von vielen von uns gewünschten neuen Methoden der Zusammenarbeit und des Lernens legen.
Das Mainzer Barcamp war für mich das erste Barcamp, das sich nach aussen leicht geöffnet hat. Es war inhaltlich eines der interessantesten Barcamps. Es waren ein paar alte Bekannte zu sehen, aber doch sehr viele “Erst-Camper”. Das macht Hoffnung und Lust auf eine Fortsetzung.
Nichts verstanden
Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) betreibt einen Online-Shop, in dem man sich “Leitfäden” kaufen kann. Diese handeln von bspw. von Werbemöglichkeiten innerhalb von oder mit Spielen oder von Markting auf mobilen Endgeräten. Der Verband bietet einige Broschüren an, die man meist als PDF nach dem Kauf herunterladen kann. Vollkommen unpassend ist hingegen der Hinweis am Ende der Produktbeschreibung:
Bitte beachten Sie:
Den Download-Link zum PDF erhalten Sie per Rechnung, die Ihnen auf dem Postweg zugestellt wird. Dieser Vorgang dauert in der Regel 3 bis 4 Werktage.
Jetzt gibt es nicht nur Internetausdrucker, sondern auch noch Link-per-Brief-Zuschicker. Wie soll ich denn einen solchen Verband ernstnehmen? Wie soll ich ihn als meinen Interessenvertreter akzeptieren? Es fällt mir sehr schwer.
Betrachtet man sich die Sache genauer, wird es noch ein wenig wirrer. Die PDFs stehen meist kostenlos zur Verfügung, kosten “ab 0,00 Euro”. Ich muss sie trotzdem in einen Warenkorb platzieren und bekomme meinen Download-Link zugeschickt. Was soll das? Diese seltsame Vorgehensweise muss man in Zusammenhang mit dem Claim “Wir sind das Netz” setzen und das Magengrummeln findet kein Ende. Von so jemanden fühle ich mich nicht vertreten.
Adventskalender der Webkrauts
Auch in diesem Jahr wird es wieder einen Adventskalender der Webkrauts geben. Vom 1. bis 24. Dezember kann man jeden Tag einen neuen Artikel auf Webkrauts.de lesen. Dieses Jahr nehmen wir uns unter dem Motto “Tipps & Tricks” in möglichst kurzen Artikeln Erwähnenswertes vor. Jede Menge Webkrauts füllen den Kalender mit Themen über Barrierefreiheit, Print-CSS, Bildbearbeitung oder Projektmanagement. Außerdem stellen wir einige kleinere Tools vor.
Das Medium annehmen
Das Internet – genauer: das World Wide Web – ist ein revolutionäres, neues, spannendes Medium. Es ermöglicht uns viele Dinge, die wir vorher nicht oder nur mit großem Aufwand konnten. Wie mit allen neuen Medien zuvor gibt es Menschen die es verstehen, es ablehnen, es nutzen, es nicht nutzen, es ausnutzen. Wie in jedem anderen Medium auch gibt es Könner, Scharlatane, Intellektuelle, Unterhaltunskünstler. Wie mit jedem anderen Medium auch kann man gute und schlechte Inhalte verbreiten. Es ist nur ein Medium, es transportiert von Menschen gemachte Inhalte. Sind die Inhalte schlecht, ist es dem Medium nicht anzulasten.
Am Ende eines Artikels von t3n über einen Rede von Ursula von der Leyen steht folgendes Zitat:
“Wir alle nutzen und schätzen das Internet. Aber wir wollen auch, dass das Internet ein Ort ist, in dem Freiheit ebenso respektiert wird wie Menschenrechte.”
Streiche “Internet” setze “Buch”: “Wir alle nutzen und schätzen das Buch. Aber wir wollen auch, dass das Buch ein Ort ist, in dem Freiheit ebenso respektiert wird wie Menschenrechte.”
Streiche “Internet” setze “Fernsehen”: “Wir alle nutzen und schätzen das Fernsehen. Aber wir wollen auch, dass das Fernsehen ein Ort ist, in dem Freiheit ebenso respektiert wird wie Menschenrechte.”
Der Satz behält in diesen beiden Versionen noch immer seine Gültigkeit. Das macht ihn nicht schlecht. Es zeigt aber, wie falsch die Debatte hierzulande läuft. Nicht das Medium ist das Problem, die Nutzer sind es. Niemand käme doch auf die Idee, die Bücher an sich zu verbieten, nur weil “Mein Kampf” als Buch gedruckt wurde. Niemand würde Zeitschriften an sich in Frage stellen, nur weil es ekelhafte Pornos in Zeitschriftenform gibt.
Die Journalisten sind auch nicht alle dumm, nur weil die Existenz von BILD, “Frau im Spiegel”, Kerner und den RTL2 News dies nahelegen. Haben wir nicht alle ein Recht auf Trash? Müssen wir alle die FAZ, die Süddeutsche und die Zeit lesen? Es wär toll, wenn dem so wäre, aber die Realität sieht anders aus.
In der Realität klicken tausende Menschen auf Links in teilweise oberdümmlichen Spam-Mails und fangen sich so Viren und Trojaner ein. Nicht das Medium ist Schuld daran, wenn Menschen handeln ohne zu denken. In der Offline-Welt haben wir die Entsprechung dazu in den Werbefahrten. Es gab in den letzten zwanzig Jahren genügend Aufklärung über die kriminellen Machenschaften solcher Verkaufsveranstaltungen und trotzdem fallen immer wieder Leute drauf rein.
Das Problem ist eigentlich immer der Mensch, nicht das Medium. Das sollten unsere Politiker genauso zu kapieren beginnen, wie die Journalisten, die sich an ihren Untergangsszenarien ergötzen. Sie alle sollten beginnen, das Medium als das anzunehmen, was es ist: ein dynamisches Medium, das mehr Möglichkeiten und Chancen eröffnet, als die alten Medien und das einen logischen nächsten Schritt in der Entwicklung menschlicher Kommunikation bietet.