Der erste Termin fand diesmal in einer Anwaltskanzlei in der Nähe von Sacramento statt. Die Anwälte organisieren im Auftrag eines großen Bauunternehmers, Angelo Tsakopoulos, eine langfristige Public Private Partnership zur Gründung einer neuen Universität in der Nähe von Sacramento.
Das besondere hier: der Impuls ging vom Unternehmer aus, der aber nicht die notwendigen 100 Millionen US-$ stiften konnte, sondern ca. 450 Hektar wertvolles Bauland besaß und dieses für sein großes Vorhaben zur Verfügung stellte.
Die Hälfte wird für kommerzielle Zwecke (Wohnungen, Gewerbe etc.) vermarktet und aus den Gewinnen wird der Bau der University zukünftig finanziert. Als Partner konnte nach intensiver Suche die erfahrene private Drexel-Universität aus Philadephia gewonnen werden, die nun eine Zweigstelle in Californien eröffnet – auch für amerikanische Verhältnisse ein ziemliches Novum – für uns kaum vorstellbar; aber es scheint mit viel wirtschaftlichem Sachverstand und unternehmerischem Risiko zu funktionieren.
Auch die lokale Politik, Verwaltung und Bürgerschaft ist in das Projekt eingebunden und unterstützt es. Entwicklungszeit: ca. 8 Jahre bis zum Vertragsabschluss, weitere 12 Jahre, in denen mit dem Bau der Universität begonnen werden muss.
Am Nachmittag nach dem Lunch im Club, bei dem wir nicht, wie erwartet, den Governor Arnold Schwarzenegger trafen – der zog ein Restaurant vor, wo er seine Zigarre rauchen durfte – hatten wir dann einen Termin mit drei erfahren Fundraising-Expertinnen in der Foundation for California Community Colleges
Sie betreiben nicht das Millarden-Fundraising wie die großen Universitäten, sondern sind auch mit kleineren Fischen zufrieden. Sie akquirieren private Mittel für Community Colleges – das sind zweijährige Hochschulen, die sehr praxisorientiert häufig eher technische Berufsausbildung machen – häufig von Firmen unterstützt werden, die besondere Kenntnisse ihrer Absolventen erwarten und bereit sind dafür die Colleges zu unterstützen.
Aber auch Privatpersonen spenden hier recht selbstverständlich Gelder für die Bildungseinrichtungen ihrer Kinder. Besonders interessant für mich: die selbstverständliche Einbindung von Freiwilligen in alle Fundraising-Aktivitäten, von Projekt- oder Kampagnen-Management bis zum Fundraising-Aufsichtsrat, ganz nach dem Motto: Volunteers are the best friends and Fundraiser, weil sie oft viel authentischer und auf gleicher Augenhöhe (peer to peer) den Spendern begegnen können – setzt voraus dass es Freiwillige aus der gleichen Schicht gibt, die Fundraising machen wollen und natürlich braucht es ein super professionelles Fundraising-Management, dessen erste Stufe/Grundlage ein professionelles Friendraising (Freunde gewinnen) ist – without friends – no funds.
Eine gute Datenbank und Zusammenarbeit der Alumni-Abteilung mit der Fundraising-Abteilung ist hier auch selbstverständlich und jahrelang Praxis – da können wir noch viel lernen…
Ein dritter Termin in diesem Kontext fand dann im California State Capitol – dem Landtag von Californien – statt. Und hier wurden wir - ganz anders als im U.S.-Capitol in Washington - sehr würdevoll und hochrangig in historischen, altehrwürdigen Räumen empfangen.
Zwar sind wir Arnold Schwarzenegger auch hier nicht begegnet, dafür wurden wir von der Wirtschaftsabteilungs-Leiterin des Stellvertretenden Governor empfangen und hatten im Captiol ein eindrucksvolles meeting mit dem Chef-Lobbyisten der privaten Universitäten in Californien von der Association of Independent California Colleges and Universities.
Er macht diesen hochdotierten Job (Robert vermutet dass er viel mehr als der Governor von Californien bekommt) seit 30 Jahren und ist hier im Landtag sehr bekannt, erfolgreich und anerkannt. Er hat direkten Zugang zur Sprecherin des Kongress und steht in Kontakt mit vielen Abgeordneten. Konnte erfolgreich verhindern, dass der Governor die Zuwendungen für die Studien-Stipendien (ca. 220 Mio. US-$ pro Jahr) kürzt – übrigens werden diese staatlichen Mittel für Stipendien (von Minderbemittelten, Begabten) durch 4mal so viele Private Mittel der Hochschulen ergänzt.
Aber neben dem Lobbyismus im Capitol berät er auch Unternehmen und Privatiers und ist ein großer Netzwerker zur Förderung der Universitäten und Hochschulen – sehr spannend und beeindruckend. Seine große Gabe, in 20 Sekunden (quasi im Fahrstuhl) die wesentlichen Botschaften an einflussreiche Leute loswerden, ohne zu aufdringlich zu sein. Da brauche ich wohl noch 20 Jahre…
Hier hat sich der Kreis auch wieder geschlossen, denn Mr. Brown war auch der entscheidende Kontaktmann für den Aufbau des PPP-Projektes zur Gründung der Drexel-Unsiversity in Sacramento. Zu ihm ist der Bau-Löwe Angelo Tsakopoulos zu erst gekommen und er hat die entscheidenden Kontakte hergestellt. - Ein beeindruckender Mann.